sf² VI.
Winter 2018
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Podiumsdiskussion


Unter der Leitung des bekannt wissenschaftsaffinen Moderators Josef Broukal diskutierten die Archäologin Sabine Ladstätter, die Arte Redakteurin Christine Reisen, derRektor der Universität Wien Heinz W. Engl, der ORF-Universum Chef Andrew Solomon, und die beiden Physiker Markus Arndt und Anton Zeilinger. Das bewusst provokant formulierte Thema der Diskussion lautete: Braucht es Wissenschaftskommunikation?
Die Beantwortung der Frage sei nicht so naheliegend, wie es auf den ersten Blick scheine, meinte Markus Arndt. Sie würde viel mehr ein weites Feld eröffnen. Als Vertreter der Jungen Kurie leitete Arndt die Diskussion mit einer kurzen Zusammenfassung des JK-Workshops, der zuvor stattgefunden hatte, ein.
Der Rektor der Universität Wien Heinz W. Engl ergänzte, dass Wissenschaftskommunikation auch eine Möglichkeit sei, um die Bevölkerung als Partner dafür zu gewinnen, die Politik von der Notwendigkeit einer Wissenschaftsförderung zu überzeugen. Der Mathematiker Engl sagte, dass Wissenschafter(innen) früher die Nase gerümpft hätten, wenn sie Interviews geben mussten, die dann in den Medien oft noch falsch wiedergegeben wurden. Auf der anderen Seite galt es durchaus als opportun, wenn man angab, in der Schule schlecht in Mathematik gewesen zu sein. Durch systematische Wissenschaftskommunikation, in der die Bedeutung der Mathematik für unser tägliches Leben hervorgehoben wurde, sei ein doppelter Imagewandel in Gang gesetzt worden. Einerseits sei heute allgemein anerkannt, welche Bedeutung die Mathematik für den Alltag hat und andererseits hätten Wissenschafter(innen) ihre Scheu vor den Medien abgebaut.
Andrew Solomon, der ORF-Sendeverantwortliche von Universum, erklärte, dass Universum von der Ausrichtung her kein Sendeformat für Wissenschaftskommunikation sei. Er gab aber zu, dass es bedauerlich sei, wenn für komplexere Inhalte derzeit im Fernsehen wenige Einsatzmöglichkeiten zu finden seien. Im Vergleich dazu gäbe es bei der BBC eine sehr erfolgreiche Programmschiene mit dem Namen Horizon, die nicht nur mit schönen Bildern und Geschichten über interessante Wissenschafter(innen) aufwarten könne, sondern die zudem durch ihren geschickten dramaturgischen Aufbau den Zuseher an die Geschichte binden würde. Trotz komplexer Inhalte würden beim Zuseher Erwartungen geweckt und Rätsel aufgegeben. Der Zuseher befände sich dadurch in einer Rolle, in der er die Wissenschafter(innen) quasi auf ihrer Entdeckungsreise begleiten würde.
Die Arte Redakteurin Christine Reisen stimmte Andrew Solomon in seiner Ansicht zu, dass es für Wissenschaftsfilme derzeit zu wenige Sendeplätze gäbe. Das sei auch deshalb schade, weil die Auseinandersetzung mit Wissenschaft zu einem zivilisatorischen Prozess beitragen würde. So sei es nicht nur das Recht sondern auch die Verpflichtung einer Gesellschaft, mit den Erkenntnissen der Wissenschaft mitzuwachsen und gemeinsam mit Forscher(inne)n darin Verantwortung zu übernehmen.
Der Wissenschaftsfilm sei eine Kunstform, die es ermöglicht, Inhalt und Emotion gemeinsam zu verpacken. Wenn ein Film gut gemacht ist, könne er Informationen vermitteln und zugleich dem Publikum eine Erfahrung spürbar machen, die einen tieferen Eindruck hinterlassen würde, als etwa ein Zeitungsartikel.
Die Archäologin Sabine Ladstätter wurde durch ihr Interesse an Ausgrabungen immer schon mit der Frage des Wozu? konfrontiert und beschäftigte sich demnach seit Beginn ihrer wissenschaftlichen Karriere mit dem Thema der Wissenschaftskommunikation. Sie ist zu der Überzeugung gekommen, dass man als Wissenschafterin nicht zu streng sein dürfe, wenn Inhalte bei der Kommunikation stark vereinfacht und etwas verfälscht widergegeben würden. Denn es sei entscheidend, neue Erkenntnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Dem Physiker Anton Zeilinger ging es vor allem um eine zentrale Aussage. Er ist der Ansicht, dass es ein Urwunsch des Menschen sei, neugierig zu sein. Genauso wie es das Bedürfnis nach Musik gäbe, würde der Mensch immer weiter neue Dinge erfahren wollen. Die Frage, wozu etwas gut sei, sei dabei nicht von primärer Bedeutung. Diese Frage würde Zeilinger nur von Journalisten gestellt. Die Zukunft unserer Gesellschaft liege in den Köpfen der jungen Menschen. Und es müsse jeder konkret dazu beitragen, damit diese Neugierde nicht verblasse. Der einfache Medienkontakt wäre dafür nicht ausreichend, um gute Wissenschaftskommunikation zu betreiben, müssten die Wissenschafter(innen) auch etwas zu sagen haben.
Abschließend äußerten sich Christine Reisen und Andrew Solomon zu dem Anliegen des Vereins sf², dem es an diesem Tag auch darum ging, die Möglichkeit der Abhaltung eines regelmäßigen europäischen Wissenschaftsfilmfestivals in Wien auszuloten.
Solomon sprach von seinem beruflichen und privaten Interesse an guten Wissenschaftsfilmen. Ihm hätten auch der Tag des Wissenschaftsfilms und sein Programm gut gefallen, insofern würde er sofort ein entsprechendes Festival befürworten. Man könne aber durchaus klein beginnen, die gute Idee weiterentwickeln und über die Jahre organisch wachsen lassen.
Christine Reisen beeindruckte die heterogene Gruppe des anwesenden Publikums. Nahezu alle potentiellen Zielgruppen eines Festivals wären hier versammelt, und man habe über den Tag beobachten können, dass diese Mischung Sinn machen würde. Für den Wissenschaftsfilm gäbe es noch keine Veranstaltung, bei der gleichzeitig das große Publikum, Wissenschafter(innen), TV-Sender, Produzentinn)en und Autor(inn)en zugleich anwesend seien. Bei so einer Veranstaltung könnten Synergien gefunden werden, um die unterschiedlichen Interessen zu bündeln, mit dem Ziel, gute Filme zu produzieren. Wenn man all das auf einer europäischen Ebene zusammenzubringen möchte, so wäre das ein großes Projekt.
So zeigte die Diskussion einmal mehr die zahlreichen guten Gründe, die für die vielen unterschiedliche Möglichkeiten von Wissenschaftskommunikation sprechen, und die große Bedeutung, die ihr sowohl von Wissenschafter(inne)n als auch Konsument(inn)en gegeben wird. Die Resonanz auf die Frage nach einem Wissenschaftsfilmfestival kam aus Sicht der Veranstalter ein wenig zu kurz, aber wahrscheinlich konnte das in diesem Rahmen nicht anders erwartet werden. Die Beantwortung der Frage, ob so eine Veranstaltung in Österreich nachhaltig und in entsprechendem Umfeld realisierbar ist, wurde somit einmal mehr verschoben. Trotzdem hat der Tag des Wissenschaftsfilms gezeigt, dass so ein Event Sinn macht und sein Publikum finden kann. Es gibt genügend Reaktionen und konkrete Angebote, die interessante neue Möglichkeiten eröffnen.

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